Jazz hat am Hölty-Gymnasium eine lange Tradition. Seit 35 Jahre versteht es die Schule, immer wieder neue Musikergenerationen auszubilden und Bigbands zu formen, die zur Bühnenreife gebracht feinen und mitreißenden Jazz spielen. Und diese Tradition verpflichtet und ist immer wieder Ansporn, für die jungen Jazz-Musikerinnen und -Musiker der Schule abzuliefern. So geschehen auch am Samstagabend beim Jazzkonzert „Jazz im Hölty“ in der Mensa des Gymnasiums. Mit einem neu einstudierten Programm aus Funk-, Swing- und Latin-Nummern präsentierten sich die etablierte Hölty-Bigband unter der Leitung von Egon Ziesmann und die Bigband-Youngsters, die Nachwuchs-Bigband mit Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 6 bis 8, unter der Federführung von Joshua Claassen dem Publikum. Dass die Bigbands in all diesen Jahren auch mit der Zeit gehen, verriet Egon Ziesmann mit einem Augenzwinkern dem belustigten Publikum, als er an seinem Handy hantierend sich modernste Technik zunutze machte und verkündete, dass er keinen Anruf erwarte, sondern sich über eine Handy-App den Takt des nächsten Liedes als Stütze vorgeben lasse.

Im richtigen Takt leitete Egon Ziesmann auch mit „Swing Machine“ von Larry Neeck die erste schwungvolle Nummer der Bigband ein, bevor diese gewohnt sicher und klar intoniert das rockige „Chameleon“ von Herbie Hancock und Stevie Wonders sanftes „You are the sunshine“ darboten. Im zweiten Set gaben dann die Bigband Youngsters eine Kostprobe ihres Könnens. Mit „Harlem Nocturne“ von Earl Hagen, „Chattanooga Choo“ von Harry Warren und dem fetzigen „Uptown Funk“ verstanden sie es, das Publikum für sich einzunehmen, bevor die Hölty-Bigband die Bühne unter anderem mit dem anspruchsvollen „Love is here to stay“ von George Gershwin und dem kraftvoll vorgetragenen „Mr. Basket“ von Matt Harris rockte. Nach einer kurzen Pause zeigten sowohl Bigband als auch die Bigband-Youngsters erneut, wie fortgeschritten in der Entwicklung, vielseitig und wandlungsfähig beide Bands sind. Vom schwungvollen „I’m so excited“ von den Pointer Sisters über das langsame „Do nothin‘ til you hear“ von Duke Ellington zum melodiösen „Man in the mirror“ von Glen Ballard und Siedah Garrett ließen beide Bands keine Wünsche offen. Garniert waren die einzelnen Stücke mit den vielen Solos, die die Musikerinnen und Musiker an Trompete, Posaune, Saxophon, Klavier oder Schlagzeug zum Besten brachten. Zum Schluss versammelten sich beide Bands auf der Bühne und entließen mit dem kraftvollen „Tequilla“ von Chuck Rio und mit der Zugabe „September“ von White, McKay und Willis das Publikum, das sich mit Sicherheit auf die nächsten 35 Jahre Jazz am Hölty freuen wird.

Michael Rücker