Mixit! Das war das Motto des Kultur-Events, das am 7.5.16 rund um das Celler Schloss stattfand. Und dieser Titel war wirklich keine Übertreibung, verbanden sich doch Sportvereine, Artisten, verschiedenste Musikrichtungen – ob barocke Blasmusik, Chorgesang oder Rock mit E-Gitarre, Literatur und Theater zu einem großen Mischmasch auf der Bühne.

Mit von der Partie war auch die Slam-Poetry-AG des Hölty-Gymnasiums. Lange Vorbereitungszeit gab es für die fleißigen Slammerinnen nicht, denn wie es bei solchen Großveranstaltungen oft der Fall ist, stand das Oberthema „Sommernachtstraum“ für den Auftrittsblock „Play-it“ erst kurzfristig fest. „Wir hatten nur vier Wochen Zeit, also vier AG-Sitzungen, um uns zu überlegen, welchen Teil im Sommernachtstraum wir übernehmen könnten, damit wir auch als Slammer zu erkennen sind“, so Emmi Thimm aus der 10b. „Und zusätzlich mussten wir uns erst einmal über den Sommernachtstraum und die darin enthaltene Geschichte von Pyramos und Thisbe informieren!“, betont Laura Birkel (8e).

Letztendlich teilte die AG die beim antiken Dichter Ovid überlieferte tragische und bei Shakespeare eingeflochtene Liebesgeschichte in vier Teile auf und erarbeitete jeweils zu zweit eine neue Version. Dabei entstanden eine Art Rap in Jugendsprache, eine sehr theatralisch-schnulzige Version, eine recht nüchterne, schon fast ironische Abwandlung sowie eine Horror-Adaption. „Damit unser Auftritt auch Slam-, also Wettkampfcharakter hat, hatten wir uns überlegt, die vier streitenden Handwerker aus dem Sommernachtstraum mit unseren 4 Textversionen gegeneinander antreten zu lassen und so den Zuschauern „Pyramos und Thisbe“ vorzutragen.“, erklärt Leoni Schreiber (10b).

Wie diese Idee, die vom Intendanten Andreas Döhring abgesegnet worden war, aber in das Gesamtkonzept des „Play-it“ eingeflochten werden sollte, erfuhren die AG-Mitglieder erst auf der ersten und einzigen Gesamtprobe vor der Generalprobe am Dienstag vor dem Auftritt. Hier hatten sich die Band der Lebenshilfe, verschiedene Schauspieler, die Celler Nachtmusik, eine Dame von der Plattdeutschen Gilde sowie der Intendant selbst eingefunden, um die einzelnen Teile miteinander zu verbinden. Alles erschien zunächst wie ein heilloses Durcheinander, bis nach und nach klar wurde, wann wer drankommen sollte und wie zusammen gearbeitet werden musste. Problematisch war auch, dass in der Hochsaison für Feste und Veranstaltungen nicht alle Schülerinnen bei jedem Termin kommen konnten und man so immer wieder Umstrukturierungen vornehmen musste. Doch da die AG mittlerweile ein eingespieltes Team ist, konnten sich die Mädchen gegenseitig vertreten und Änderungen wurden wunderbar untereinander weitergegeben.

Während bei der Probe in der CD-Kaserne Amelie Riga (8e) und Annika Gutzeit (8b) die Texte vortrugen, standen bei der Aufführung Sarah Swinford, Annika Wendt (beide 10a) und Anita Kirck (10b) sowie wiederum Annika Gutzeit zweimal auf der Bühne. Zuvor mussten bei der Generalprobe am Mittag noch Abläufe eingeübt werden. Außerdem arbeiteten die Mädchen bis in letzter Sekunde an ihren Texten, damit Intendant Döhring auch mit der Länge zufrieden sein konnte. Gegen Abend stieg die Anspannung und Aufregung. „Man weiß ja gar nicht, ob alles klappt.“, gibt Sarah Swinford zu bedenken. „Wir mussten so viel beachten beim Ablauf! Und wer weiß schon, ob dem Publikum die Texte gefallen!“

Beim ersten Durchlauf des Abends passierte es dann: Beim ersten Text von Annika Wendt fehlte das Mikrofon auf der Bühne! Während die Zuständigen hinter der Bühne aber in Aufregung verfielen, blieb Annika ganz professionell und performte ihren Text einfach ohne Hilfsmittel. Hier kam ihr sicherlich ihre Bühnenerfahrung zugute, denn klar und deutlich konnte man ihre Stimme auch auf den hintersten Rängen verstehen, berichtete hinterher Emmi Thimm, die für das „Controlling“ im Zuschauerraum saß. Bei Sarah, der zweiten Auftretenden, war dann schon ein Mikrofon organisiert, alles lief wie geplant und jeder Slammer konnte sich seinen Applaus vom Publikum abholen, bevor es weiterging im „Sommernachtstraum“.

Besonders spannend war es für die Schülerinnen, eine Theaterbühne bei einem Auftritt im Backstagebereich zu erleben und auch zwei Auftritte hintereinander zu absolvieren, denn beim zweiten Mal konnten sie so nach einiges abändern. „Beim zweiten Mal waren wir dann etwas eingespielter und konnten besser mit dem Publikum umgehen. Und auch die Texte laufen beim zweiten Mal besser, wenn man einige Stellen mehr hervorhebt, die offensichtlich gefallen haben“, berichtet Anita Kirck euphorisch. Und tatsächlich: Schon zu Beginn der zweiten Runde bezog Annika Wendt das Publikum gleich in den Handwerkerstreit mit ein und forderte es auf, zu zeigen, welcher Text am besten gefallen hatte. Nach einem fehlerfreien Auftritt und mit dem Applaus des Publikums im Rücken kamen die vier Höltyanerinnen mit geröteten Gesichtern von der Bühne. Alle waren über sich hinausgewachsen und hatten sich viel mehr getraut, als sie vorher gedacht hätten. „Das war so geil!“, hörte man hinter der Bühne aus ihren Mündern. „Das müssen wir unbedingt noch einmal irgendwann machen!“

Diese Gelegenheit wird sich bestimmt bei einigen Veranstaltungen im nächsten Schuljahr in der Schule oder außerhalb wie beim Celler Slam „Angeprangert!“ jeden dritten Mittwoch im Monat bieten.

Die Slam-Poetry-AG freut sich, im neuen Schuljahr neue Schüler in ihren Reihen begrüßen zu dürfen. Celle braucht dringend Slammer-Nachwuchs!

                                                                                                                      Carmen Eisner