Der vierte Besuch seit 2008 von russischen Schülerinnen und Schülern unserer Partnerschule in Sankt Petersburg fand zu einer Zeit statt, in der man in den Medien immer häufiger das Wort „neuer Kalter Krieg“ hörte. Als die acht Mädchen und drei Jungen der Schule 88 mit zwei Lehrerinnen und der Direktorin Maria Klimenko am 27. März in Hamburg landeten, hatten die Bewohner der Krim gerade in einem vom Westen nicht anerkannten Referendum den Anschluss der Halbinsel an die Russische Föderation beschlossen. Sieben der elf Gastgeber sind Schüler und Schülerinnen des 10. Jahrgangs, mit denen ein gemeinsames Projekt zum Austausch über die deutsche und russische Berichterstattung durchgeführt wird. Daher wurde während des Besuchs das schwierige Thema der Lage in der Ukraine nicht ausgeklammert. Besonders bei kritischen Themen wie diesem zeigte sich, dass die Bevölkerungen unserer beiden Länder sehr unterschiedlich durch die Medien informiert wurden. Bei einem Besuch in der Spiegel-Redaktion in Hamburg hatten wir Gelegenheit, mit dem Spiegel-Online-Redakteur Uwe Klußmann zu sprechen. Für mich persönlich war die vergleichsweise pro-russische Haltung Klußmanns überraschend, für die drei russischen Lehrerinnen beruhigend. Klußmann beherrschte nicht nur die russische Sprache perfekt, sondern kannte die Geschichte und die heutige Situation in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion sehr gut, so dass er Verständnis zeigte für den Wunsch der Mehrheit der Bevölkerung auf der Krim, wieder zu Russland zu gehören. Auf unsere Frage, wie er die Zukunft der Ukraine einschätze, antwortete Klußmann, man müsse abwarten, es werde wahrscheinlich ein langer Prozess. Leider ist die Lage im Osten und Süden der Ukraine inzwischen eskaliert. In Kämpfen zwischen pro-russischen Separatisten und der ukrainischen Armee gab es mehrere Tote. Die traurige Situation in der Ukraine belastet das deutsch-russische Verhältnis auf allen Ebenen. Deutschland ist Russlands Handelspartner Nr.1 in Europa. Beide Seiten wollen die wirtschaftlichen Beziehungen eigentlich nicht durch Sanktionen schädigen, aber im Moment zeigen diplomatische Bemühungen wenig Wirkung.

Was hat das alles mit dem Austausch zwischen dem Hölty-Gymnasium Celle und der Schule 88 in Sankt Petersburg zu tun? Glücklicherweise spielt die Weltpolitik für diejenigen, um die es in erster Linie in unserem Austauschprojekt geht, nämlich die Schüler und Schülerinnen, keine große Rolle. Sie haben während des einwöchigen Besuchs Freundschaften geschlossen und freuen sich auf ein Wiedersehen. Mir war es wichtig, dass wir die politische Situation thematisieren, auch um den Jugendlichen die Bedeutung unseres Austausches bewusst zu machen. So lange Schulen wie unsere sich gegenseitig besuchen können, gibt es keinen Kalten Krieg. Im September fliegen wir nach Sankt Petersburg!

Daniela Bunkenburg