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Hinfahren, ansehen, auf das eigene Baugefühl vertrauen. „Es muss nicht unbedingt die Uni mit dem guten Ruf sein, sie muss zu Euch und Eurem NC passen.“ Dieser Tipp einer jungen Juristin löste in dem Publikum des 12. und 13. Jahrgangs ein zaghaftes Raunen aus, denn spätestens jetzt fing das Publikum an, mit einigen Klischees aufzuräumen. Und damit nicht genug am 17. Februarvormittag.

Ein ganzes Füllhorn an berufsspezifischen Informationen, persönlichen Erfahrungen und cleveren Tipps erhielten die Oberstufenschülerinnen und -schüler von je drei Wahlpersonen der 24 Ehemaligen (auch von Nachbarschulen), denn elementare Fragen einer Wegsuche wie „Wer bin ich?“, „Was kann ich?“, „Was will ich?“ nagen umso mehr, je näher der Abiturtermin rückt.

So erfuhren die jungen Leute in Kleingruppen aus dem vielfältigen Pool der Fachbereiche Immobilienökonomie, Wirtschaftsprüfung, Jura, Verwaltung, Elektronik, Projektleitung und -analyse, Administration, Pharmatechnik, Tourismus, Sozialmanagement, Tier- und Humanmedizin, Informatik/Aerospace, Nachhaltigkeitsberatung, Sonderpädagogik, Versicherungswesen, Mechatronik und auch dem des klassischen Handwerks wie Zimmerei oder des Hebammenwesens, dass es häufig nicht den einen vorbestimmten Weg gibt und damit auch nicht die eine Angst einflößende Entscheidung für’s Leben. Vielmehr gilt es, einen Pfad zu beschreiten, der sich zunächst gut anfühlt, und mit den vielen Möglichkeiten und Begegnungen, die sich im Laufe der Zeit auftun, umzugehen. Dabei spielen natürlich auch ganz persönliche Entwicklungen eine große Rolle, die ja gar nicht vorhersehbar sind und in die jeweilige Entscheidungsfindung eingebunden werden wie z. B. die Geburt des eigenen Kindes, die Karriereabsichten der/s Partnerin/Partners, die möglicherweise mit einem Ortswechsel verbunden sind, die Hilfebedürftigkeit der Eltern oder auch ein plötzlicher Interessenwechsel, ausgelöst durch eine inspirierende Begegnung, eine Reise oder einen simplen Beitrag im Fernsehen. So viel Entscheidendes kann geschehen, wovon wir fünf Minuten vorher noch keine Ahnung hatten.

An so manchen Stellen horchten die angehenden Abiturientinnen und Abiturienten merklich auf. Hier eine kleine Auswahl an Zitaten verschiedener Referentinnen und Referenten:

  • „Studienorte, in denen in Deinem Fach keinen NC gibt, sind oft die entspannteren.“
  • „Ein Medizinstudium kann auch ohne LK Bio gelingen.“
  • „Ich habe nie in meinem studierten Fach gearbeitet.“
  • „Ich war immer faul, und jetzt arbeite ich freiwillig ab 5.30 Uhr.”
  • „Meine Entscheidungen habe ich aufgrund menschlicher Begegnungen getroffen. Manchmal waren sie schlecht, aber ich bin trotzdem weiter gekommen.“
  • „Ich habe meine Chancen gesehen und genutzt.“
  • „Bei der Einstellung hat niemand nach meiner Abi-Note gefragt. Wichtiger ist, wie man sich als Mensch weiter entwickelt hat.“
  • „Ich konnte es nicht fassen, dass in den Vorbereitungsphasen einfach Bücher von Kommilitonen versteckt wurden, um die Konkurrenz auszuschalten.“
  • „Ich habe nie Lust auf Englisch gehabt, und jetzt gehört Englisch zu meinem Alltag, was überhaupt kein Problem ist.“
  • „Es ist wichtig, sich gute Vorbilder in der Praxis zu suchen. Von ihnen lernt man am meisten.“
  • „Zwischendurch habe ich gemerkt, dass ich an dieser Stelle falsch bin. Ich musste lernen, worauf ich wirklich Lust habe.“
  • „Was in der Ausschreibung super klang, war oft nicht das Richtige für mich.“
  • „Ich hatte lange keinen Plan, wo ich im Leben hin wollte. Erst im Praktikum wurde mir klar, dass ich etwas mit Menschen machen wollte. Was genau? Kein Plan. Dann traf ich im Ausland auf diese Frau und machte bei ihr ein Praktikum. Da wusste ich, was ich wollte.“
  • „Eigentlich habe ich jetzt meinen Traumjob, aber ich werde immer auf der Suche nach etwas Neuem bleiben. Vielleicht mache ich nochmal was mit Kindern.“
  • „Als ich meine Wunschstelle vor Augen hatte, habe ich mir gesagt: ‘Ihr wisst noch nicht, dass ihr mich braucht.’ Und ich habe sie bekommen.“

Dieses kleine Sammelsurium zeigt auf, wie beweglich ein Berufsweg sein kann und wie sehr die „Übung“ damit sicherlich auch eine hilfreiche Rolle spielen kann. Vielen Vortragenden war anzumerken, dass auch Negativerfahrungen und Irrwege Selbstvertrauen gaben, wenn sie feststellten, dass sich nach dem Umgang mit ihnen doch noch stabile Wege ergaben. Auf jeden Fall können unsere jungen Leute mit offenen Türen rechnen, denn sie werden in der Berufswelt sehnlichst erwartet. Da schaden ein paar Kurven im Lebenslauf nicht.

Weil dieses eindrucksvolle Vortragsangebot mit durchweg positiver Resonanz belohnt wurde, wird „HÖLTY-TALKS-CAREERS“ auf jeden Fall weiterhin ein fester Bestandteil unseres Berufsbildungspakets sein, liebevoll geplant und durchgeführt von der Fachschaft Politik-Wirtschaft unter der Regie unserer unermüdlichen Kollegin Annabel Beck.

Christin Benedict

Video: Darya Kablash