Wenn man an einen Bauernhof als Lernort außerhalb des Klassenzimmers denkt, dann verbinden viele diesen wahrscheinlich mit dem Biologieunterricht der unteren Jahrgangsstufen. Das Leben, Verhalten und Aussehen von Hühnern, Kühen, Schweinen, vielleicht auch von Hunden und Katzen müsste bei einer derartigen Exkursion im Mittelpunkt stehen. Doch weit gefehlt! Dass man auf einem Bauernhof auch fächerübergreifende Inhalte verknüpfen und alltagsbezogene Probleme und Herausforderungen verdeutlichen kann, erfuhren die 7. Klassen vom 11. bis 15. Oktober 2021 auf dem Kudammhof in Großmoor im Rahmen der Projektwoche „Bildung für nachhaltige Entwicklung“.

Neben den biologischen „Basics“ wurden den Schülerinnen und Schülern jeder 7. Hölty-Klasse auch je einen Tag lang Einblicke in die betrieblichen Arbeitsabläufe, wirtschaftlichen Produktionsstrukturen und regionale Vermarktung nähergebracht sowie die Unterschiede zwischen der konventionellen und biologischen Landwirtschaft erklärt. Dabei halfen den Schülerinnen und Schülern vor allem der Rundgang über den Bio-Bauernhof samt den konkreten Einblicken in den Hühnerstall, die Kükenaufzuchtstation, die Futterzubereitung oder die Verpackungsstation für die gelegten Eier. Die Politik-Studentin und Jung-Bäuerin Lara Erkens, die das Projekt am Kudammhof im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit ins Leben gerufen hat, beantwortete dabei geduldig die zahlreichen Fragen und diskutierte mit den Höltyanern auch potentiell konfliktreiche Themen wie Vegetarismus und Tierwohl in landwirtschaftlichen Betrieben.

In einem zweiten Teil der Exkursion wurde der Fokus auf die regionalen Gegebenheiten noch um eine globale Perspektive ergänzt. Die Klassen bearbeiteten in Gruppen aufgeteilt verschiedene zentrale Facetten rund um die Themen Umwelt, Landwirtschaft und Ernährung. Auf spielerische Art und Weise mussten verschiedene Aufgaben zur Bedeutung des Klimas, zur Herkunft von Futtermitteln wie Soja, Raps, Sesam oder Sonnenblumenkernen, zum Wasserbedarf der Landwirtschaft oder zu den Produktionsprozessen des Kudammhofs gelöst werden. Besonders einprägsam blieb den Schülerinnen und Schülern dabei die Ermittlung des eigenen Tagesbedarfs an landwirtschaftlicher Anbaufläche, der in der Regel durch den Konsum von Schokolade, Pizza oder exotischen Früchten eine vergleichsweise überdimensionierte Größe annimmt.

Als letzten Schritt durften die Schülerinnen und Schüler mögliche demokratische Partizipationsmöglichkeiten reflektieren und selbst überlegen, welche Wünsche und Forderungen sie selbst haben und auf welche Weise sie diese an die politischen Entscheidungsträger herantragen würden. Der klare Wunsch der „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ bleibt somit, dass die Schülerinnen und Schüler zu einem selbstbestimmten, mitgestaltenden, verantwortungsbewussten und solidarischen Leben befähigt und sie in die Lage versetzt werden, die Auswirkungen des eigenen Handels auf die Welt zu erkennen und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen.

Andreas Hidasi