Eigentlich hätte Konzertleiter Joschua Claassen am Ende des traditionellen Jazz-Konzerts der Bigband und der YoungStars des Hölty-Gymnasiums in der prall gefüllten Mensa der OBS I einen Euro ins sogenannte Phrasenschwein werfen müssen. Als die Bandmitglieder Sophia Awerbuch und Nicolas Bertram ihm vor dem begeisterten Publikum für seinen unermüdlichen Einsatz dankten, verwies er auf das gegenseitige Geben und Nehmen in einem Orchester, das erst solch wundervolle Konzerte ermöglichen würde. Er spielte somit den Ball an all seine Schützlinge der Bigband und der YoungStars zurück und zollte ihnen für ihr musikalisches Engagement für das Hölty seine Bewunderung.
Dass diese Redewendung vom Geben und Nehmen aber nicht nur eine Phrase ist, wurde an diesem Abend während des Konzerts offenbar und zeigte sich im harmonischen Zusammenspiel von Konzertleitung unter der Regie von Burkhard Bertram und Joschua Claassen und den beiden Hölty-Musikgruppen. Das Konzert ließ an diesem Abend daher über die volle Dauer von über zwei Stunden mit einem musikalischen Mix aus feinem Gefühl, chilliger Gelassenheit und temporeichem Dampf keine Wünsche offen.
Den Auftakt zur ersten Session machte zunächst nur der erfahrene Teil der YoungStars, die in ihrer musikalischen Entwicklung schon etwas weiter sind als die unteren Jahrgänge. Mit dem Klassiker „The Pink Panther“ von Henri Mancini, der Latin-Nummer „Tangerine“ sowie dem beschaulichen „City of Stars“ aus dem Film „La La Land“ schufen sie im Konzertsaal sofort eine Wohlfühlatmosphäre, in der sich das Publikum gemütlich zurücklehnen und entspannt die Musik genießen konnte. Es folgte für ein kurzes Intermezzo die Musikgruppe des Wahlpflichtunterrichts des Jahrgangs 9, die sich aus zehn Mitgliedern der YoungStars zusammensetzt. Sie gab den oscarprämierten Filmsong „Raindrops Keep Fallin` On My Head“ gefühlvoll zum Besten. Anschließend formierte sich die Kombo „Trio“ in der Besetzung des ehemaligen Höltyaners Nico Egenlauf am Schlagzeug und der Abiturienten Sophia Awerbuch am Klavier und Marius Höger am Altsaxophon. Mit einem Medley aus „Just the two of us“ von Grover Washington Jr., „Baker Street“ von Gerry Rafferty sowie „Bamboleo“ von den Gipsy Kings wehte ein Hauch von lauschiger und chilliger Sommerbrise durch die Mensa der Oberschule. Zum Schluss der ersten Session komplettierten sich dann die YoungStars, als die jüngeren Jahrgänge des Ensembles ebenfalls die Bühne betraten. Das vollständige Symphonische Blasorchester aus etwa 50 Musikerinnen und Musikern zeigte in der Folge die ganze Bandbreite ihres Könnens mit dem Taylor Swift-Stück „Shake It Off“, dem Ohrwurm „This Land“ aus König der Löwen, der schwungvollen Latin-Nummer „Sway“, dem Filmklassiker „Skyfall“ sowie dem temporeichen „Shut Up and Dance“.
In der zweiten Session nach einer kurzen Pause hatte dann die Hölty-Bigband ihren großen Auftritt. Sofort nahm die Bigband das Publikum mit den Swing-Klassikern „In The Mood“ und „Fly Me to the Moon“ mit auf ihre musikalische Reise. Ihr gelang es in der Folge des Auftritts, mit den fetzigen Samba-Nummern „Mas Que Nada“ von Jorge Ben und „Tiger of San Pedro“ von John La Barbera, mit dem Swing-Blues „Route 66“ und mit dem träumerischen „Fields of Gold“ spielerisch die gute Laune des Publikums beständig zu steigern. Gesangseinlagen sorgten indessen für Abwechslung. So präsentierte Leanna Hefle aus dem 13. Jahrgang in der Disney-Ballade „Beauty and the Beast“ im Zusammenspiel mit der Bigband ihre feine Stimme. Zusammen mit Phoebe Götz und Flavia Pene begleitete sie dann zudem die Rocknummer „Africa“ von Toto. Zum finalen Abschluss der zweiten Session ließ es die Bigband dann nochmal so richtig auf der Bühne krachen, als sie das temporeiche „Santa Fe Bandolero“ von George Shutack performte. Immer wieder zeigte sich die Spielfreude der Bigband durch eine Vielzahl an Soloeinlagen.
Als sich dann zur temporeichen und rockigen Zugabe „Uptown Funk“ beide Orchester, die Bigband und die YoungStars, mit mehr als 70 Musikerinnen und Musikern auf der Bühne zusammenfanden, gab es für das Publikum schließlich kein Halten mehr. Sie honorierten die Leistungen des Orchesters mit anhaltendem Applaus und Standing Ovations. Es endete ein wundervolles Konzert, in dem alles stimmte: Bühnenbild, Ton und Licht, organisiert von der Tontechnik-AG des Höltys unter der Leitung von Hannes Meyer, die humorvolle Moderation durch Musiklehrer Joschua Claassen und schließlich die Musik. Das gegenseitige Geben und Nehmen hatte sich sowohl für die beiden Orchester als auch für das Publikum an diesem Abend vollends gelohnt.
Text: Michael Rücker
Fotos: Britta Ziesmann


























