Die kritische Botschaft war beim Publikum am Ende der beiden Vorstellungen in dem von der Theater-AG des Hölty-Gymnasiums vorbereiteten Stück „Mutter Courage und ihre Kinder“ von Bertolt Brecht angekommen: Die Menschen lernen nichts aus dem Krieg, machen weiter und glauben an ihn. So wie Mutter Courage, die am Ende des Stücks trotz des Verlustes ihrer Kinder in den Kriegswirren weiter an den Profit im Krieg glaubt. Dass die Botschaft von Brecht auch ankam, dafür sorgte der couragierte Auftritt von Kriegsmarketenderin Mutter Courage in der Sporthalle der Schule. Verantwortlich für diesen Auftritt an diesem Abend war Schauspielerin Denise Frerichs aus dem 11. Jahrgang: Körperlich und mimisch jederzeit präsent, stark in intensiven Momenten der Bedrohung und des Verzweifelns, aber auch in der Darstellung scheinbaren Hochmuts und der Selbstüberzeugung überzeugte sie in ihrer Rolle als Mutter Courage, die in den Kriegswirren alles tut, um für den Schutz ihrer Kinder und für Aufrechterhaltung des Geschäfts mit dem Krieg zu sorgen. Tina Lehrich als stumme Tochter Kattrin stand zudem ausdrucksstark für das Leiden und Elend der Menschen im Krieg. Aber auch die vielen anderen jungen Schauspielerinnen und Schauspieler aus den Jahrgängen 5 bis 7, die in kleineren Rollen als Soldaten und Bauern, als  Feldprediger, Zeugmeister, Feldwebel, Werber und Obristen im Heereszug samt Tross mitzogen, zeigten überzeugend Präsenz und wussten stimmlich zu überzeugen. Das war auch notwendig, weil sich die Theater-AG für die Bühne und den Zuschauerraum in der großen Sporthalle etwas Besonderes ausgedacht hatte. Die Zuschauer verfolgten das Stück auf Drehstühlen in der Mitte der Halle, während das Schauspielgeschehen um sie herum stattfand und der Heereszug und der Wagen der Courage um das Publikum kreiste. So war die Betrachtung des schauspielerischen Treibens aus verschiedenen Blickwinkeln möglich und man hatte das Gefühl, zeitweise unmittelbar in das Geschehen hineingezogen zu werden. Auch die Kostüme und die Requisiten mit einem umfunktionierten Mattenwagen als Plan- und Marktwagen der Courage überzeugten. Begleitet wurde das Theatergeschehen von den Bläserklassen des Jahrgangs 5, die den Zug des Heeres musikalisch untermalten. Beeindruckend war auch, dass dieses Stück für Erwachsene von Schülerinnen und Schülern – von der Idee über Textkürzungen bis zum Bühnenbild – selbstständig erarbeitet wurde. Unterstützt wurden sie dabei von den Lehrkräften Daniela Bunkenburg und Julia Glage. So gingen zwei Abende in der Turnhalle am Hölty zu Ende, an denen die Zuschauer zum Nachdenken angeregt wurden.