Eigentlich war die Hoffnung, die Kunstexkursion nach Hannover ins Sprengel Museum durchführen zu können, doch ein wenig angeknackst – genau wie eben Frau Chmelenskys Arm. Glücklicherweise erschien Letztgenannte doch noch mit einem schicken roten Verband, um die 10a zum erwähnten Ziel zu eskortieren. Und da die Deutsche Bahn nunmal den größten Verfechter von Einsteins „Zeit ist relativ“ darstellt, kam auch der Zug ein wenig später … .

Nach Ankunft stand dann ein Abstecher zum Mahnmal der Aegidienkirche (muss man ja nicht ausprechen) auf dem Programm. Hier, unter kriegsbedingter Open-Air-Kulisse, wurde dann der ‚Tagesbefehl‘ ausgegeben: Suche von vorgegebenen Bildern und Notieren erster Intentionen. Schließlich sollte noch ein Bild nach angelerntem Schema interpretiert werden, die Auswahl war hierbei frei. Auszuwählen gab es durchaus Einiges: die aus dem späten 20. und frühen 21. Jahrhundert stammenden, größtenteils expressionistischen und abstrakten Werke von Picasso über Kurt Schwitters bis hin zu Käthe Kollwitz schienen sich endlos über zahllose Winkel des Museums zu erstrecken. Tatsächlich war es so gut wie unmöglich, sich wirklich alle Exponate und Austellungen innerhalb eines Besuches anzusehen, besonders, da Kunstmuseen, genauso wie die expressionistischen Ausstellungsstücke, eher nicht über einen besonders klaren Aufbau verfügen. Obschon selbst Indiana Jones schneller aus einem Dschungeltempel herausfinden dürfte, verirrte sich bei der „Schatzsuche“ glücklicherweise niemand … . Mit Krokodilen musste sich im Gegensatz zum Abenteurer ebenfalls niemand herumschlagen. Allerdings barg das Museum wesensgleiche Pendants:  Aufseherinnen, die in beunruhigender Omnipräsenz auf leisen Sohlen herumschlichen, die böse Jugend von heute misstrauisch beäugten und, wie Kaiserpinguine über Ei und Küken, über ihre Bilder wachten. Nebst Gemälden und Skulpturen waren zum Beispiel auch der „Merzbau“ (laienhaft gesagt:  dieser verwinkelte Raum) von Kurt Schwitters oder sogar ein VW-Bus mit Videoinstallation vorzufinden; des Weiteren existiert eine historische Plakatsammlung. Zudem war eine Nachbildung der Zellenmalerei von Julius Klingebiel vorzufinden, der in der NS-Zeit mit Psychose in die Irrenanstalt eingeliefert wurde, nur knapp der Euthanasie entging, und später seine komplette Zelle mit Malereien füllte.

Nachdem auch das wohl schwierigste, weil unauffälligste, Werk geortet worden war – die „Spraybanane“, eine aufgesprühte Banane neben der Eingangstür -, begab man sich einträchtig zum Essen. Die Pizza war zwar nicht von Picasso, geschmeckt hat sie trotzdem … .

Silas Hummler, 10a